Unternehmenschronik

1950: In der geteilten Stadt
Die "Stadt in der geteilten Stadt"Auf dem Gelände der neuen Bundesdruckerei gehen die Sanierungsarbeiten voran, doch die ruinösen Außengebäude an der Kommandantenstraße, die auch die Sektorengrenze zum Ostteil der Stadt markieren, bilden noch immer keine sichere Grundstücksbegrenzung. Deshalb entschließt man sich Anfang der 50er Jahre zum Bau einer vier Meter hohen, gemauerten Einfriedung, die nur wenige Jahre später wie die Vorwegnahme der Ereignisse des 17. Juni 1953 und des späteren Mauerbaus wirkt. Als sich die politische Lage Anfang der 60er Jahre zuspitzt, schließt die Verwaltung der Bundesdruckerei kurz entschlossen ihre Zugänge an der Kommandantenstraße und fortan lebt man in der Situation einer geteilten Stadt.

Innerhalb des Sicherheitsareals der "Stadt in der geteilten Stadt" wird weiter saniert und ausgebaut. Statt des eindrucksvollen Eckturms von Karl Johann Otto Busse, dessen Ruine erst 1956 abgerissen wurde, begrenzt ab dem Ende der 1950er Jahre ein neuer Verwaltungskomplex das Grundstück entlang der Oranienstraße. Berlin wird wieder zum Hauptsitz der Bundesdruckerei erklärt. Doch die Fläche, auf der das Unternehmen seit über einem Jahrhundert arbeitet, gerät im Schatten der Berliner Mauer zunehmend ins städtische Abseits.
Erste Erfolge in der jungen Bundesrepublik
Auch die wirtschaftliche Situation der Bundesdruckerei ist zu jener Zeit äußerst schwierig. 1955 erhält sie mit der Produktion der 5-DM-Noten erstmals wieder einen kleinen Auftrag für den Bereich des Banknotendrucks. Bis dahin war die Währung der jungen deutschen Demokratie in Großbritannien, den USA und Frankreich produziert worden. 1959 schreibt die Bundesbank schließlich die Produktion neuer Banknoten aus. Die Bundesdruckerei in Berlin erhält zunächst nur den Zuschlag zur Herstellung des 50-DM-Scheins, etwas später folgt die Beauftragung der 10-DM-Note. Alle übrigen Geldscheine druckt das Typographische Institut Giesecke & Devrient in München, das der Bundesbank aufgrund der instabilen politischen Lage in Berlin deutlich sicherer erscheint.
Mit der Einführung des Bundespersonalausweises im Jahr 1960 läuft in der Bundesdruckerei allmählich auch die Dokumentenproduktion wieder an. Gleichzeitig investiert das Unternehmen zunehmend in Auslandsgeschäfte: Briefmarken für Venezuela, Alkoholsteuerzeichen für Äthiopien, Postwertmarken für Tansania und Pässe für Peru bezeichnen nur einige der in jener Zeit akquirierten Aufträge.
In den 70er Jahren knüpft das Unternehmen mit einer aufsehenerregenden Edition handgedruckter Faksimiles von Francesco de Goya (1746 - 1828) an seine lange kunsthandwerkliche Tradition an. In der gleichen Zeit überträgt das Deutsche Patentamt der Bundesdruckerei die Herstellung der Mikrofilmlochkarten zu Offenlegungs-, Auslege- und Patentschriften sowie zu Unterlagen für eingetragene Gebrauchsmuster. Im Bereich des Banknotendrucks beginnt man für Venezuela, Peru, Kolumbien und Israel zu produzieren.

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