Unternehmenschronik

1929: 50 Jahre Reichsdruckerei
Der Standort

1929, fünfzig Jahre nach Gründung der Reichsdruckerei, erstreckt sich das Firmengelände über eine Fläche von rund 4 Hektar (das sind fast sechs Fußballfelder!), auf der etwa 76.000 qm für den eigenen Betrieb genutzt und weitere 33.000 qm extern vermietet werden. Zum 50. Firmenjubiläum schreibt die "Vossische Zeitung" am 6. Juli: "Der Reichsdruckerei wird jeder zu ihrem Halbjahrhundertjubiläum von Herzen gratulieren. Wenn alle Reichsbehörden so unumwundene, uneingeschränkte Anerkennung von allen Seiten ernten würden, hätten wir einen idealen Staat." Das 50-jährige Jubiläum der Reichsdruckerei wird im noch jungen Medium Radio mit einem Vortrag gefeiert.
Im Zentrum des Berliner "Zeitungsviertels"
Im direkten Umfeld der Reichsdruckerei hat sich eine hochkarätige Nachbarschaft entwickelt: Auf dem in der Oranienstraße gegenüberliegenden Grundstück, arbeitet - über einen unterirdischer Tunnel direkt angebunden - die Reichsschuldenverwaltung; in der nahen Kochstraße ist mit dem Verlag Ullstein & Co. Europas größtes Druck- und Verlagsunternehmen entstanden und nur einige Meter weiter residieren die Zeitungsmogule Rudolf Mosse (u. a. "Berliner Tageblatt" und "Berliner Morgenpost") und August Scherl (u. a. "Berliner Lokal-Anzeiger", "Berliner Abendzeitung" und "Die Woche").
An diesem einzigartigen Standort, an dem sich nach und nach das gesamte deutsche Druck- und Pressewesen zusammenfindet, muss zu jener Zeit eine ganz besondere Atmosphäre geherrscht haben. Hier pulsiert das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben der Metropole und die Reichsdruckerei trägt als einer der größten Arbeitgeber einiges zur Lebendigkeit des neuen Quartiers bei.
Die Geschäfte boomen. Über die gewaltigen Anforderungen, die der erste Weltkrieg, die nachfolgenden Inflationsjahre und die junge Weimarer Republik an den Betrieb der Reichsdruckerei gestellt hatten, wächst das Unternehmen bis weit über die Grenzen seiner Raumkapazitäten. 1935 drängen sich allein in der "Fertigmacherei" über 600 Mitarbeiterinnen in einer ursprünglich nur als Kleiderablage vorgesehenen Fläche, die Maschinenräume platzen aus allen Nähten und beim Banknotendruck müssen die halbfertige Produkte zwischen verschiedenen Geschossen und Gebäudeteilen hin und her getragen werden.


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